Das auf A4 kopierte Plakat ist eine Collage aus drei Fotos, die jeweils in Schreibschrift kommentiert oder ergänzt werden. Oben links das Bild eines Punks von Hinten, der vor einer Menschenmenge steht, aus der Polizisten in voller Montur herausstechen. Neben dem Bild die Anmerkung: "Schützt unsere Polizei nur die 'normalen' Bürger?". Mittig rechts ein anderes kopiertes Foto: Zwei Polizisten, die einen Punk hinter sich her schleifen. Links davon die Schrift: "Was passiert mit Randgruppen (Anders aussehende, Andersdenkende)??". Unten links eine Szene aus den Peanuts mit Linus und Charly Brown. Linus hat den Zeigefinger erhoben und erzählt, in seiner Sprechblase ließt man die ersten drei Artikel des Grundgesetz (1. Menschenwürde, 2. Leben/Freiheit/körperliche Unversehrtheit und 3. Benachteiligungsverbot). Charly Brown zieht einen deprimierten Gesichtsausdruck und verdreht die Augen nach oben.
Bemerkenswert ist, dass die Positionierung für Punks und gegen die Polizei hier aus einer Wir-Perspektive vorgebracht wird, in der es sich um "unser" Grundgesetz und "unsere" Polizei handelt -- eine Perspektive, die so gar nicht der weitverbreiteten "Wir sind dagegen"-Attitüde jugendlicher Linksradikaler entspricht. Es lässt sich von heute aus nicht rekonstruieren, ob der genervte Gesichtsausdruck von Charly Brown das Unbehagen damit das zum Ausdruck bringt: Eine radikale Linke, bei der ein Teil der Aktiven mit Grundgesetz, Freiheit und Demokratie argumentiert, und ein anderer Teil die bürgerliche Ordnung als Ursache der Ausgrenzung (die hier gezeigt wird) begreift.
Zeitzeug*innen berichten, dass das Plakat Anfang der 2000er-Jahre in Südthüringen entstanden ist und die Gruppenangaben links oben und rechts unten (V.R.A. MGN und V.J.A. Z-M) für "Verband rebellierender Antifaschisten Meiningen" und "Verband Junger Antifaschisten Zella-Mehlis" stehen
- Autor
- V.R.A. und V.J.A.
- Erstellt am
- Mittwoch, 1. Januar 2020
- Schlagworte
- Anti-Repression, Kämpfe um Stadt und Raum
- Alben